lebenswert leben lernen

             Die Illusion von der Willensfreiheit                Gefühle bestimmen, was wir wollen

Erfahrungswissen durch Selbstbeobachtung

Das Beispiel vom „Fritz in der Hängemappe“ kann sicher jeder in irgendeiner Weise mit Erfahrungen aus seinem eigenen Leben in Verbindung bringen. Und diese Selbstbeobachtung wird von unserer Logik bestätigt, jedenfalls dann, wenn wir unterstellen, dass auf der Erde das Naturgesetz von Ursache und Wirkung alles durchdringt. Das wird häufig vergessen bei der Frage nach der Willensfreiheit. Die Literatur und geistigen Ergüsse zum Thema sind nicht mehr überschaubar. (Natürlich gehören meine Zeilen auch dazu. Und ich hoffe, dass sie etwas mehr Einfachheit hineinbringen.)

Die Sache scheint mir doch so einfach - jedenfalls für einen Menschen mit einer durchschnittlichen Beobachtungsgabe, einer Fähigkeit zum logischen Denken und der nicht davor zurückschreckt, wenn er befürchtet, einen Denkfehler begangen zu haben oder zu begehen.

Anstatt sich der einen oder anderen Meinung anzuschließen, ist es sehr viel hilfreicher, durch Selbstbeobachtung und eigene Erfahrung herauszufinden, wie das zustande kommt, was wir wollen. Das Beispiel vom „Fritz in der Hängematte“ sollte dabei hilfreich sein.

Brötchen

Welches Brötchen wähle ich?

Hier noch ein weiteres Beispiel zur Anregung:
Ich stehe im Bäckerladen vor dem Verkaufstresen und will Brötchen kaufen. Warum ich Brötchen einkaufen will, kann die unterschiedlichsten Ursachen (Gefühlsregungen) gehabt haben. Ich könnte mich "freiwillig" auf den Weg gemacht haben, weil ich es selbst "wollte". Die Vorstellungen von den Brötchen und dem Duft, dem Geschmack haben angenehme Gefühle in mir geweckt und mich angetrieben, mich auf den Weg zum Bäcker zu machen. Vielleicht war es aber auch anders. Brötchen wären gar nicht so mein Ding und das Brot, das von gestern noch da war, würde mir vollkommen ausgereicht haben. Aber weil ich wusste, dass meine Frau gerne frische Brötchen mag, und ich ihr eine Freude machen wollte, machte ich mich auf den Weg. Der Frau gute Gefühle bereiten zu können, erzeugte in mir selbst gute Gefühle. Auch das könnte mich angetrieben haben, zum Bäcker zu fahren. Denkbar wäre auch, dass nicht gute Gefühle mich angetrieben haben. Vielleicht hatte ich nur Hunger. Und ich bin zum Bäcker gefahren, um das ungute Gefühl des Hungers los zu werden.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Jeder mag selbst herausfinden, was ihn zum Kauf der Brötchen oder anderer Dinge bewogen hat. – Und was ist damit, wenn ich Brötchen liebe und verschiedene leckere Brötchen mich „anlachen“? – Welche wähle ich aus? Man spricht auch von der Qual der Wahl. Siehe dazu im Abschnitt „Auch keine Wahlfreiheit“.